Am Arsch der Welt und ein Überraschungsdreier auf dem Land!

Wenn man im Teenageralter ist, gibt es nichts Verlockenderes als die ferne Großstadt. Wenn dann auch noch das Zusammenleben mit den Eltern oder zumindest einem Teil davon, nicht besonders berauschend ist, setzt man schon so einiges daran, dem schnöden Heimatort zu entkommen.

Bei mir jedenfalls war das so, aber da ich weder volljährig war, noch einen Job hatte, musste ich mich institutionell von meiner Familie entfernen. Sprich, ich zog in eine Jugend WG, die von ein paar motivierten Sozialpädagogen betreut wurde. Es hätte schlimmer kommen können und glaubt mir eines – es kam schlimmer!

Nicht dass meine Heimatstadt der Verdammnis gleichzusetzen gewesen wäre, aber wirklich viel los war dort auch nicht. Selbst wenn sie den Titel Studentenstadt hatte, änderte dies nichts an der Tristesse, die dort vorherrschte.

Es ist also nachzuvollziehen, dass ich meinem Auszug in ein neues Leben und vor allem in die Großstadt mehr als nur entgegen fieberte. Aber mal wieder hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht und landete anstatt in der Landeshauptstadt am Arsch der Welt, in einer Stadt, die nicht einmal eine war und kaum mehr Einwohner als Kühe zählte.

Wen interessiert das schöne Haus, die netten MitbewohnerInnen und die Idylle der Natur, wenn man nahezu von der Außenwelt abgeschnitten leben muss und ein Dasein fristet, das zwischen Schule und Dorfkiosk stattfindet und dessen größte Attraktion der Viehauftrieb ist?

Einziger Lichtblick war meine Zimmernachbarin Kim, die mit ihren 15  zwar unglaubliche 2 Jahre jünger war als ich, aber sie schien in Ordnung zu sein. Wie sehr, durfte ich schon recht bald herausfinden.

Damit ich mich in meiner ersten Nacht nicht so allein fühlte, schlug sie vor, mit in meinem Zimmer zu übernachten. Wie selbstlos sie doch war. Ohne ihr von meiner Neigung erzählt zu haben, fühlte sich alles schön und natürlich an. Wir kuschelten uns in den Schlaf und ich war selig. Am Ende vergaß ich sogar, wohin mich das Schicksal verschlagen hatte.

Das Problem mit Kim war nur, dass sie A einen Freund hatte und B auch sonst kein Kind von Traurigkeit zu sein schien. Mir sollte es egal sein. Hauptsache, ich hatte eine Verbündete.

Wenige Tage später küssten wir uns zum ersten Mal und ich war baff wie tough dieses Mädel doch war. Sie trieb mir fast die Schamesröte ins Gesicht und ich musste sie scharf ausbremsen, denn ich bekam es ehrlich gesagt mit der Angst zu tun.

Ich fand Mädchen zwar toll, aber der entscheidende Schritt machte mir schon ein wenig Angst. Was einem beim ersten Mal mit einem Jungen erwartete, wusste jedes Mädchen nach ausführlicher und jahrelanger Lektüre der BRAVO. Aber was bitte sollte ich mit einem Mädchen anfangen und vor allem – WIE???

Irgendwie konnte ich Kim davon überzeugen, das Ganze langsam anzugehen. Sie trennte sie trotz allem von ihrem Freund und hatte nichts besseres zu tun, als mich am ersten Tag in meiner neuen Schule mitten in der Pausenhalle vor allen Mitschülern zu küssen. Genau so hatte ich mir meinen Einstand bei den Dorfkindern vorgestellt. Fortan war ich abgestempelt. Lustig ist etwas anderes.

Aber wirklich böse sein konnte ich Kim auch nicht. War sie doch so unbeschwert und unbedarft, dass es fast schon wieder süß war und was kümmerte es mich, was die Dorfgemeinschaft dachte? Sie schmierten es mir nun eh jeden Tag verbal aufs Butterbrot.

Am folgenden Wochenende wollte Kim ihre Überschwänglichkeit wohl wieder gut machen und dekorierte ihr ganzes Zimmer mit Kerzen und drapierte sich selbst äußerst verführerisch auf dem Bett, während im Hintergrund die obligatorische Kuschelrock CD (oder waren es damals noch Kassetten und Schallplatten?) lief.

Es wurde ein schöner Abend mit vielen sanften Berührungen und innigen Küssen. Ich war wie benebelt. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich auf einmal das Gefühl hatte, überall an meinem Körper fremde Hände zu spüren. Dennoch. Irgendetwas war hier komisch. Wie viele Hände hatte eine Frau?

Vorsichtig blinzelte ich in Kims Augen und erschrak. Diese Augen gehörten nicht ihr und die Hände, die grad über meinen Rücken strichen, auch nicht.

Sasha, ein ehemaliger Lover von Kim und gemeinsamer Mitbewohner, fand die Vorstellung von zwei Frauen wohl sehr reizvoll und entschied sich spontan, uns Gesellschaft zu leisten und aktiver Part dieses kleinen, romantisch – erotischen Schauspiels zu werden.

Ich weiß nicht, ob ich ihm erst eine geknallt habe und dann aus dem Bett gesprungen bin oder umgekehrt. Aber dass diese unsägliche Episode am Arsch der Welt nach diesem Abend ein Ende fand, weiß ich noch, als wäre es erst gestern gewesen.

Man kann sich also noch so weit von der Zivilisation entfernt aufhalten, der Sündenpfuhl ist nie weit und ich finde ihn bestimmt. Wo auch immer ich sein mag…

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