Eine Kleinstadtlesbe auf der Suche nach der großen Liebe!

Okay, okay. Wollen wir mal nicht übertreiben. Die große Liebe habe ich vielleicht nicht gesucht als ich mit 19 Jahren Tag für Tag in die Bertelsmann Club Filiale im Harz pilgerte, um dort teure Internetsessions zu erstehen und in den noch nicht ganz so unendlichen Weiten des Internets nach Frauen zu suchen, die Frauen lieben. Nun gut, ich habe wohl nach Mädchen gesucht. War ich doch selbst noch eines…

Und wo landet man in den späten 90er Jahren? Richtig, in einem chatroom von irgendeinem Anbieter, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Auf jeden Fall stieß ich dort auf eine etwa gleichaltrige Frau aus München und fand sie ganz großartig. Zumindest dem Schreiben nach. Die Bilder hielten mehr zurück als sie verrieten, aber ich war damals noch der Meinung, dass das Äußere definitiv keine Rolle spielte. Mein Gott war ich naiv.

Wir schrieben jeden Tag hin und her – so lange dies die Öffnungszeiten von Bertelsmann zuließen – und kamen sehr bald zu dem Schluss, dass wir uns unbedingt treffen müssten. Bayern – Niedersachsen, das war schon eine ganz schöne Strecke, aber das wollte sie auf sich nehmen und ich war aufgeregt wie nie zuvor in meinem Leben.

Dann stand ich am Bahnhof und wartete auf sie. Diese sagenumwobene Frau aus München, die so wundervolle Sachen schreiben konnte und die wohl meine erste richtige Freundin werden würde. Der Zug fuhr ein, Menschen stiegen aus, aber eine Frau, die meine Aufmerksamkeit erregen oder eine vage Erinnerung auslösen würde, war nicht darunter.

Plötzlich schlenderte ein junger Typ grinsend auf mich zu und ich dachte noch, nicht das auch noch. Was soll ich sagen? Der Typ war meine bis eben noch eventuell zukünftige Freundin. Damn! Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, meine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten, aber irgendwie schien es mir gelungen zu sein, denn mein bayrischer Stern umarmte mich überschwänglich und schien ganz beseelt zu sein.

Ich wusste gar nicht, wohin mit mir. Na ja, erstmal ins Taxi und nach Hause. Gibt es nicht auch Taxen, in denen sich die Sitze auftun und man kann nach Belieben darin versinken? Soviel Glück sollte ich nicht haben…

Die Fahrt erschien endlos und kurz vor dem Aussteigen, versetzte mir der Fahrer den Todesstoß. Ihr Freund zahlt dann, nehme ich an? Ja, schon klar. Ich flehte Himmel, Erde und Hölle an, dass dieser Traum ein baldiges Ende finden möge, aber es war mir nicht vergönnt. Es gab keine Zuflucht. Nur vier schier endlose Tage voller Ausflüchte und Erklärungsversuche, die in einer bösen Auseinandersetzung mündeten und mich heilten. Zumindest vorerst.

Vielleicht sucht man sich Frauen doch nicht im Internet. Wie gesagt, wir schrieben das Jahr 1999 und ich hatte ja keine Ahnung, was das Internet noch für uns bzw. mich bereithalten sollte…

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