Manuela Kucks „Freispruch“ – Ein Krimi, dem es weder an Tiefsinn noch an Weitsicht fehlt. Uneingeschränkt lesenswert!

Lena Bokken könnte erfolgreicher nicht sein. Als Anwältin kann sie sich nicht nur auf ihren juristischen Sachverstand verlassen sondern auch und vor allem auf ihre Intuition, die es ihr ermöglicht, nicht nur zu wissen, was zu tun ist. Sie erspürt es und das mehr als nur zuverlässig.

Lena ist stets vorsichtig mit ihrer Gabe umgegangen, doch irgendwann steigt ihr der Erfolg zu Kopf und sie verliert sich im Sog von Stolz und Selbstgefälligkeit.

Auf einmal ist nichts mehr wie es einmal war und Lena muss nicht nur mit ansehen, wie ein von ihr verteidigter Mandant trotz Schuld frei kommt, sondern trägt auch die Verantwortung dafür, dass eben jener Mandat eine vertrauliche Quelle Lenas aus dem Leben gerissen hat.

Lenas Karriere befindet sich im freien Fall und auch privat zieht sich die junge Anwältin immer mehr zurück. Weder ihre Partnerin noch das Aikido vermögen sie zu erreichen. Sie scheint alles zu verlieren. Vor allem sich selbst.

Nur widerwillig nimmt sie den Fall von Karin Weber an, der der Mord an der eigenen Tante vorgeworfen wird. Der Fall scheint klar und doch spürt Lena, dass es hier um mehr geht als um einen bloßen Mord. Auch wenn sie sich gegen ihre innere Stimme zu Wehr zu setzen versucht, geht Lena mit Hilfe von Maren Sommer, einer engen Vertrauten des Mordopfers, den Spuren nach und findet sich in einem nahezu undurchdringlichen Dickicht von Lügen, Gewalt und Intrigen wieder.

Am Ende steht Lena nicht nur vor der Aufgabe, den Mord aufzuklären. Sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen und sich selbst.

Wer „Freispruch“ mit der Intention liest, einen reißerischen Krimi vorzufinden, der wird enttäuscht sein. In der Tat, „Freispruch“ ist ein Krimi. Ein sehr guter sogar. Aber in diesem Buch geht es um weit mehr als Mordfälle, Ermittlungen und die Frage nach dem Täter.

Manuela Kuck gewährt in ihrem neuen Roman Einblicke in die faszinierende, aber auch sehr strenge Welt des Aikido. Ihre Hauptfigur ficht einen Kampf. Gegen sich, ihre Vergangenheit und die Dämonen längst vergangener Tage.

Es geht um Schuld und Sühne. Vergeben und verzeihen. Es geht darum, seinen Horizont vom Altbekannten zu lösen und sich neu auszurichten. Es geht darum, allen Widerständen zum Trotz seiner inneren Stimme zu folgen, aber nie den Bezug zur Realität zu verlieren.

Doch was ist Realität? Was ist wirklich wahr und was ist nur vorgetäuscht?

„Freispruch“ nimmt uns mit – auf eine erkenntnisreiche, aber auch verwirrende Reise, die unser Urteilungsvermögen mehr als einmal auf eine harte Probe stellt und am Ende müssen wir uns selbst eingestehen, dass vieles anders ist als es auf den ersten Blick zu sein scheint und dass wir nur allzu oft Opfer von Manipulationen und Intrigen werden und dass wir selbst unser größter und stärkster Gegner sind.

Mit „Freispruch“ hat Manuela Kuck wieder einmal bewiesen, dass es sich bezahlt macht, seine Charaktere ausgiebig zu studieren und mit ihnen eine neue Welt zu entdecken. Sie hat zum wiederholten Male ein Buch geschrieben, das es einem nicht gestattet, es aus der Hand zu legen bevor man völlig atemlos an dessen Ende angekommen ist und dann fängt es erst richtig an zu wirken – in uns. Es hallt nach und genau so muss ein Krimi sein. Grossartig!!!

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