Javier Bardem in „Biutiful“

BIUTIFUL erzählt die Geschichte von Uxbal (Javier Bardem): hingebungsvoller Vater, verzweifelter Liebhaber und Kleinganove im Untergrund. Ein Mann, den die Last seines Lebens und immer neuer Herausforderungen erdrücken würden, hätte er nicht die Liebe zu seinen Kindern Ana (Hanaa Bouchaib) und Mateo (Eduard Fernández). Sie hält ihn aufrecht, wenn es nicht weiterzugehen scheint, gibt ihm Kraft, wenn er das Licht am anderen Ende des Tunnels aus den Augen verliert. Für ihr Leben gibt Uxbal alles, während er mit nicht immer legalen Mitteln versucht zu überleben. Wie ein Wanderer bewegt sich Uxbal zwischen den Welten am Rande eines modernen, unbekannten Barcelonas, auf der Suche nach Versöhnung mit seiner Frau Marambra (Maricel Álvarez), seinen Kindern und doch letztendlich mit sich selbst.

Ein Film voller Poesie. Ein Gedicht über Liebe, Glaube, Hoffnung und Vergebung, dessen entschlossene Härte einem den Atem raubt und dessen unendliche Zärtlichkeit man nie mehr vergisst.

Soweit die Sichtweise des Verleihs im Wortlaut der Pressemappe. Doch dieser Kurzinhalt und das abschließende Resümee vermögen den Zuschauer nicht auf das vorzubereiten, was ihn im Kino erwartet.

Die emotionale Kraft und die zerstörerische Wucht des Protagonisten und des Lebens um ihn herum drückt den Kinobesucher von der ersten Filmminute an in den Sessel und lässt ihn atemlos dort verharren. Erst wenn der Abspann schon lange über die Leinwand geflimmert ist und die letzten Töne der Musik im Raum verklingen, kommt man wieder zu sich und kann kaum fassen, an was für einem Schauspiel man gerade teil hatte.

Javier Bardem verkörpert Uxbal so authentisch, dass es schon beinahe beängstigend ist. Mit jedem Schicksalsschlag scheint sein Körper schwerer am Leid zu tragen. Wir lesen in Bardems Augen und Körperhaltung, was er durchzustehen hat und stehen ihm hilflos zur Seite, wenn er versucht, sich mit dem Leben auszusöhnen und eben jenes in Ordnung zu bringen, bevor er die Welt und seine Kinder verlassen muss.

Neben Bardem gibt es noch eine andere Kraft, die BIUTIFUL zu dem macht, was er ist: Barcelona. Genauer genommen, der Vorort Santa Coloma. Ein buntes, wenn auch düsteres Viertel, in dem verschiedene Nationalitäten wie Spanier, Chinesen, Senegalesen, Pakistani, Sinti, Rumänen, Roma und Indonesier friedlich zusammen leben.

Keine Spur vom Großstadtglamour und Wohlstand. In Santa Coloma kämpft ein jeder für sich ums Überleben und jeder ist sich selbst der nächste und man kann es ihm nicht einmal übel nehmen.

BIUTIFUL ist ein vielschichtiger Film, der an der Breite seines Spektrums wohl kaum zu überbieten ist. Alejandro González Iñárritu macht alle Themen des menschlichen Daseins zum Dreh- und Angelpunkt seines Filmes und verbindet somit am Ende alle Protagonisten miteinander. Vaterliebe und Überlebenswille, Korruption und Hilfsbereitschaft, Tod und Spiritualität, psychische Erkrankungen, Drogen, Sex, Schwarzarbeit…es gibt kaum etwas, das Iñárritu nicht anspricht. Und auch wenn man sich als Zuschauer mitunter fast erdrückt und erschlagen fühlt, wirkt nicht eine Sekunde unwirklich. Alles ist vorstellbar und vieles unserem eigenen Erleben so nah.

BIUTIFUL ist nicht im eigentlichen Sinne schön. Aber wer sich die Mühe macht, genau hinzusehen, hinein zu spüren, hinzuhören…der wird die wahre Schönheit erkennen, die dieser Geschichte zugrunde liegt und so etwas wie Hoffnung verspüren!

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