„Als das Cello vom Himmel fiel“ – der erste Roman der k.d. lang der kanadischen Literatur Ivan E. Coyote!

Joey, Anfang 40, ist Automechaniker in einer kanadischen Kleinstadt und seit einem Jahr von seiner Frau geschieden. Allyson lebt inzwischen mit ihrer Partnerin in Calgary und Joey verwindet den Verlust seiner großen Liebe nur schwer.

Joey arbeitet Tag ein, Tag aus in seiner kleinen Werkstatt und redet nicht viel. Auch sein Umfeld hält sich mit Gesprächen sehr zurück und so erfährt er immer zuletzt, was um ihn herum geschieht. Joey vergräbt sich in seinem Laden und in sich selbst und wird immer unzugänglicher.

Als eines Tages jemand den gebrauchten Volvo kaufen will, der auf seinem Hof steht, kommt Joey plötzlich in den Besitz eines Cellos. Jim Carson, den er nur vom Sehen kennt und mit dem er bisher noch kein einziges Wort gewechselt hat, hat kein Geld und bietet Joey im Tausch sein kostbares Cello an. Zu dieser Zeit ahnt er noch nicht, wozu Jim den Wagen tatsächlich braucht…

Zu seiner eigenen Überraschung geht Joey auf den Handel ein und setzt damit eine Entwicklung in Gang, die er selbst am wenigsten für möglich gehalten hat.

Um das Cello nicht einfach einstauben zu lassen und etwas Neues auszuprobieren, will er sich in Calgary eine Cellolehrerin suchen und bei dieser Gelegenheit gleich die restlichen Sachen zu Allyson bringen.

Der ungewohnte Zustand, Urlaub zu machen. Die Tatsache, nicht wirklich etwas zu tun zu haben, verunsichern Joey und doch gelingt es ihm, sich allmählich gehen zu lassen und sein Leben auf ungeplante Weise neu zu beginnen…

Wenn man liest, dass Ivan E. Coyote die k.d. lang der kanadischen Literatur sein soll, hat man als Leserin extrem hohe Erwartungen. Diese werden nicht enttäuscht.

Als das Cello vom Himmel fiel besticht durch eine beinah alltägliche Geschichte zweier Menschen, die sich scheiden lassen und zwei Individuen zurücklässt, die sich fortan neu orientieren müssen.

Joey fällt dies offensichtlich schwerer als Allyson, aber genau das macht sein Leben, seine Person so interessant. Joey ist ein einfacher Automechaniker, der durch eine Verkettung gewisser Umstände Besitzer eines Cellos wird und sich dem Neuen in seinem Leben öffnet, ohne dass er es zunächst selbst bemerkt.

Der Roman handelt von der Ehe, der Liebe, der Familie, der Schönheit der Musik, Begegnungen mit Fremden, die in kurzer Zeit zu Freunden werden, von Panikattaken und Besuchen bei Psychologen, vom Loslassen und Neubeginn, von Verlust und dem Mut, sich dem Leben zu stellen oder vor ihm flüchten zu wollen.

Ivan E. Coyote hat ein wunderschönes Gespür für die richtigen Worte und schürt die Neugier auf ihre Heimat. Man fühlt sich vom ersten Wort an als Teil dieser Geschichte, als stiller Beobachter. Nichts ist vorhersehbar, nichts unnatürlich.

Auch wenn die lesbische Komponente in diesem Buch nur latent zu wirken scheint, ist Als das Cello vom Himmel fiel genau das, was ich bei Krug & Schadenberg suche und vielleicht auch erwarte. Bereits mit Das Leben, von dem wir träumten haben Andrea Krug und Dagmar Schadenberg bewiesen, dass sich der Mut lohnt, Geschichten zu verlegen, deren Fokus nicht zwangsläufig auf der lesbischen Liebe liegt.

Ivan E. Coyote ist eine wunderbare Autorin und Als das Cello vom Himmel fiel ist hoffentlich nicht der letzte Roman…

Ivan E. Coyote

Ivan E. Coyote, die k.d. lang der kanadischen Literatur, stammt aus Whitehorse, Yukon, im äußersten Nordwesten Kanadas. Sie liebt Trucks, kleine Hunde, guten Kaffee, gescheite Frauen, Lederarbeiten, Tischlern, Geschichten erzählen, Angeln, Hockey, Knoten knüpfen, Kochen, auf Bäume klettern und ihren Mittagsschlaf. Heute lebt sie mit ihrer Partnerin in Vancouver. Ivan E. Coyote hat bereits fünf Erzählbände veröffentlicht und mit Als das Cello vom Himmel fiel ihren ersten Roman vorgelegt. Er erscheint Ende Februar 2011 bei Krug & Schadenberg. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, und hat sich neben ihrem Schreiben auch als »Spoken Word«-Performerin einen Namen gemacht.
http://www.ivanecoyote.com
http://www.facebook.com/ivanecoyote

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