„Winter‘s bone“ – ein eindringliches Portrait einer unglaublichen Frau

Tief in den Ozark-Bergen in Missouri macht sich die junge Ree (Jennifer Lawrence) auf den Weg, ihren verschwundenen Vater zu finden. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Ohne ihren Vater, der das Haus als Kaution hinterlegt hat, droht die Familie alles zu verlieren.

Dass ihr Vater in kriminelle Machenschaften verwickelt war, weiss jeder. Aber keiner will ihn gesehen haben. Ree trifft bei ihren Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens. Und je näher die resolute junge Frau der Spur ihres Vaters kommt, desto gefährlicher wird ihre Suche. (Quelle: Look Now)

Der Trailer des Filmes lässt bereits vermuten, dass es sich hier nicht um ein feel good movie handelt. Vielmehr wird der Kinobesucher in die kahlen Wälder der Ozark-Berge gezogen und fühlt sein Herz in eisigen Händen.

Die angespannte Atmosphäre unter den Bewohnern des Hinterlandes ist zum Greifen nah und die kalte Ablehnung, die Ree entgegen schlägt, trifft uns beinah persönlich.

Die Häuser sind abgerissen, ebenso ihre Bewohner. Alles wirkt schmutzig und schmuddelig. Man hat permanent das Bedürfnis, sich rein zu waschen.

Nachdem ihr der Sheriff eröffnet hat, dass ihr Vater binnen einer Woche vor Gericht zu erscheinen hat, da die Familie sonst Haus und Wald verliert, sieht Ree die Existenz ihrer Familie bedroht und beginnt, wie eine Löwin zu kämpfen.

Da ihr Vater die Familie schon früh immer wieder im Stich ließ, um seinen Drogengeschäften nachzugehen und ihre Mutter darüber psychisch erkrankte, hat Ree die Verantwortung für die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister übernommen. Doch nun muss sie sich auf die Suche machen. Auf die Suche nach ihrem Vater und nach der Wahrheit. Doch die will niemand preisgeben und auch nicht wahrhaben.

Selbst der einzige Bruder von Rees Vater, Teardrop (John Hawkes), scheint der jungen Frau nicht helfen zu wollen und doch ist er es, der Ree aus den Fängen eines gewaltsamen Clans befreit, dessen Frauen Ree übel zugerichtet haben.

Das Geflecht aus Kriminalität, Aggression, Gewalt und Geheimnissen verdichtet sich mit jeder Filmminute und am Ende steht Ree vor einer Aufgabe, die jedem Zuschauer unmenschlich erscheinen wird…

Unter der Regie von Debra Granik ist ein beeindruckendes aber auch verstörendes Portrait einer jungen Frau entstanden, die sich mutig und furchtlos den vorherrschenden Gesetzen ihrer Umgebung entgegen stellt und alles daran setzt, ihre Familie zu beschützen und zu retten.

Es ist erschreckend, wie überzeugend die damals erst 19jährige Jennifer Lawrence, die Rolle der Ree verkörpert. Wie viel Kraft, Wut, Kampfgeist und gleichzeitig Zartheit sie zeigt und wie authentisch sie in jeder Einstellung des Filmes ist. Nichts wirkt aufgesetzt. Lawrence spielt nicht die Ree. Sie ist sie.

Neben ihr brilliert vor allem John Hawkes, der ihren Onkel spielt. Selbst drogensüchtig und am Abgrund seines Daseins angelangt, gebärdet er sich aggressiv, abweisend und kalt. Und doch entbehrt er nicht einer versteckten, subtilen Zärtlichkeit.

Winter‘s Bone ist ein Meisterwerk. Aber dieser Film geht unter die Haut und lässt eine gewisse Kälte und ein Schaudern zurück…Doch genau das wollte die Regisseurin wohl erreichen. Es ist ihr mehr als gelungen. Sehenswert!

Regie: Debra Granik
Mit: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Sheryl Lee
USA 2010
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