La Petite Chambre – ein kleiner Raum für eine große Geschichte

Eine Geschichte des Herzens.

Dasjenige von Edmond ist nicht mehr sehr kräftig. Aber es schlägt beharrlich für seine Unabhängigkeit, die er mit so grosser Hartnäckigkeit verteidigt, dass er sich weigert, ins Altersheim zu gehen und jede Hilfe der Hauspflegerin Rose ablehnt. Er leistet Widerstand, aber sie bietet ihm die Stirn. Denn sie weiss, wie sehr ein Herz rebellieren kann, wenn es lernen muss, mit Unannehmbarem zu leben. Das ihre ist eben erst auf dem Weg der Genesung.

Doch eines Tages zwingt Edmond ein schwerer Sturz, die Hilfe der Pflegerin zu akzeptieren…

Das Alter und der Umgang damit scheint gerade eines der Hauptthemen in der Kinowelt zu sein. Neben Le Dernière Fugue und Satte Farben vor Schwarz beschäftigen sich nun Stéphanie Chuat und Véronique Reymond in La Petite Chambre eben genau damit.

Edmond ist mit seinen 83 Jahren nicht mehr allzu rüstig und so beschliesst sein Sohn, ihn vor seiner Abreise in die USA in ein Altersheim zu stecken. Der kernige Musikliebhaber weigert sich strikt, auch nur einen Fuss in dieses Etablissement zu setzen und verschanzt sich im Auto.

Auch die Unterstützung der ambulanten Krankenschwester Rose lehnt er ab. Doch diese lässt sich nicht so einfach verschrecken und versucht alles, um Edmond zu helfen. Ob dieser das nun will oder nicht. Sie stopft sogar das convience food von Edmond in sich hinein, um den alten Herren zum Essen zu bewegen, was lediglich zur Folge hat, dass sein Sohn ihr unterstellt, ihren Patienten das Essen wegzufuttern.

Dabei hat Rose ganz andere Probleme. Vor sechs Monaten hat sie ihr ungeborenes Baby verloren und scheint noch immer auf der Suche nach ihrem Sohn zu sein. Der Schmerz hat sich tief in sie hinein gegraben und es ist dem Gesicht von Rose anzusehen, wie sehr sie leidet.

Der übergroße Wunsch, Mutter zu sein, sich um jemanden zu kümmern und die Fassungslosigkeit über das scheinbar kalte und skrupellose Verhalten von Sohn und Pflegedienst, veranlassen Rose, sich Edmond anzunehmen und ihn bei sich einzuquartieren.

Nur langsam nähern sich Edmond und Rose einander an. Sie tasten sich sacht vor in das Leben und Fühlen des Anderen und werden sich zunehmend vertrauter. Sie lassen zu, dass ihre selbst errichteten Mauern Risse bekommen und ein bisschen Putz zu Boden fällt.

Während sie ein kleines Stück ihres Weges gemeinsam zurücklegen, stellt sich ein jeder seinen Ängsten und Erinnerungen.

In den schneebedeckten Bergen finden sowohl Edmond als auch Rose ihren Frieden. Jeder auf seine ganz persönliche Art und Weise.

La Petite Chambre ist ein wunderbar feiner und stiller Film, der viel mehr ungesagt lässt, als dass er plakativ und offensichtlich tiefsinnig die Themen des Lebens in den Fokus rückt. Die beiden herausragenden Hauptdarsteller vermögen uns mit ihrer bloßen Ausdruckskraft, Mimik, Gestik und Körperhaltung spüren zu lassen, wie schwer man an Verlust und Trauer trägt.

So ernst die Geschichten des Filmes auch sind, so herrlich erfrischend sind auch seine fröhlichen Momente. Sowohl Edmond als auch Rose müssen durch einen dunklen Tunnel in ihrem Leben gehen. Sie müssen sich befreien. Von der Last der Vergangenheit, dem Groll der Gegenwart und der Angst vor dem, was noch kommen mag.

La Petite Chambre ist mehr als nur ein Film über die Verbindung und Begegnung der Generationen. Mehr als ein Film über das würdige Altern. Mehr als ein Beispiel für das Verarbeiten und Annehmen von Verlusten. La Petite Chambre ist eine Hommage an die Freiheit und die Selbstbestimmung. Und es ist eine Geschichte über Vergebung und Liebe, Loyalität und Stärke.

Regie:   Stéphanie Chuat, Véronique Reymond

Drehbuch:  Stéphanie Chuat, Véronique Reymond

Besetzung:   Michel Bouquet, Florence Loiret Caille, Eric Caravaca

Musik:  Emre Sevindik

Festivals/Preise QUARTZ 2011 Schweizer Filmpreis – Prix du cinéma Suisse BEST FICTION FILM BEST SCREENPLAY „Switzerland’s official entry for the 83rd Academy Awards – Best Foreign Language Film“ – FESTIVAL INTERNATZIONALE DEL FILM DI LOCARNO 2010 International Competition – MONTREAL WORLD FILM FESTIVAL 2010 – FIFF NAMUR 2010 – INTERNATIONALE HOFER FILMTAGE 2010 – FRENCH FILM FESTIVAL UK 2010 – DELÉMONT À HOLLYWOOD 2010 – Prix Public – LE FESTIVAL DU FILM FRANçAIS D’HELVÉTIE 2010 -PALM SPRINGS INTERNATIONAL FILM FESTIVAL 2011

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