„In a better world“ – Eindringliches Meisterkino aus Dänemark!

Anton (Mikael Persbrandt) lebt den Spagat zwischen zwei Welten: Mehrere Monate im Jahr rettet er als idealistischer Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingscamp Menschenleben. Zuhause, in der Idylle der dänischen Provinz, muss er sich als engagierter Vater und Ehemann den Herausforderungen des Familienalltags stellen. Seine Ehe mit der Ärztin Marianne (Trine Dyrholm) steht kurz vor dem Aus, als die innige Freundschaft seines Sohns Elias (Markus Rygaard) zu seinem einsamen Schulkameraden Christian (William Jøhnk Nielsen) eine lebensgefährliche Wendung nimmt und Anton vor die Frage stellt: Wie stark sind sein Glaube an die Gerechtigkeit und der Wunsch, seine Haltung zu bewahren?

Dieser Film hat viele Titel und doch scheint nur der ursprüngliche, der treffende zu sein. Hævnen – Rache! Und genau darum geht es in diesem Film. Rache ist es, die den jungen Christian antreibt, der nach dem Krebstod seiner Mutter einen Verantwortlichen sucht und sich immer mehr in sich zurückzieht. Claus (Ulrich Thomsen), sein Vater, kommt nicht mehr an ihn ran und Computerspiele á la Counterstrike entfernen den Jungen, der sich in der Abstellkammer des herrschaftlichen Guts seiner Großmutter eingerichtet hat, mehr und mehr von der Wirklichkeit.

Kaum einen Tag in der neuen Schule, wird er Zeuge, wie sein schwedischer Mitschüler Elias aufgrund seiner Herkunft und seiner vorstehenden Zähne Opfer von Sofus und seinen Halbstarken wird. Dieser lässt die Demütigungen klaglos über sich ergehen und wandelt seine Frustration in Hass gegen die eigene Mutter.

Als Sofus sich am folgenden Tag wieder an Elias zu vergehen versucht, schaltet sich Christian ein und schlägt auf brutalste Weise auf den Jungen ein und bedroht diesen sogar mit einem Messer. Seinem Vater gegenüber rechtfertigt er seinen Angriff als Demonstration seiner Macht, so dass er nicht selbst zum Opfer wird.

Er und Elias sind nach diesem Tag unzertrennlich und auf eine bizarre Art miteinander verbunden.

Auch wenn die beiden Jungen im Fokus der Geschichte zu stehen scheinen, fällt vor allem den Eltern eine sehr gewichtige Rolle zu. So ist es doch die Trennung von Elias‘ Eltern, die der Sohn kaum ertragen kann und die den schützenden Rahmen der Familie gefährdet.

Anton ist immer wieder in Afrika, um dort unter primitivsten Umständen Menschenleben zu retten und versucht gleichzeitig, ein guter Vater zu sein und seine Frau um Verzeihung zu bitten, die ihm nach einer Affäre nicht mehr vertrauen kann. Sowohl in Afrika als auch in seiner neuen Heimat Dänemark stösst Anton an seine Grenzen und wird somit unfreiwillig zum Auslöser für die Racheaktion von Christian und Elias.

Christian macht seinem Vater unmissverständlich klar, dass er keine Menschen mag, die aufgeben. Claus hat dies getan, als er seine Frau und Christians Mutter einfach dem Krebs übergeben hat. Anton ist in Christians Augen schwach, weil er sich von einem Mann vor den Augen seiner Kinder hat schlagen lassen, ohne sich zu wehren.

Die Rachegelüste Christians scheinen keine Grenzen zu kennen und so nötig er Elias, das Auto des Schlägers mit einer selbst gebastelten Bombe in die Luft zu jagen.

Am Ende geht viel mehr zu Bruch als nur ein Auto und die Rache richtet sich nicht mehr gegen das eigentliche Ziel…

Susanne Bier wird nicht erst seit ihrer Oscar®-Nominierung für NACH DER HOCHZEIT (2006) als dänische Erfolgsregisseurin gefeiert und geschätzt. Sie gilt als schonungslos und emotional zugleich und hat ein untrügliches Gespür für die emotionalen Nöte ihrer Protagonisten. Sie versteht es wie kaum ein anderer Filmemacher aus den Nordischen Ländern, packende und berührende Geschichten zu erzählen, ohne dabei allzu pathetisch zu werden.

Hævnen besticht durch seine Vielschichtigkeit und sein breites Spektrum. Hier geht es nicht einfach nur um einen engagierten Arzt, der in Afrika Gutes tun will, um sich besser zu fühlen. Auch geht es nicht ausschließlich um Heranwachsende, die in ihrer Not, den Schmerz nicht ausdrücken zu können, gewalttätig werden.

Susanne Bier macht es sich nicht leicht und wird allen Themen, die sie anreisst, gerecht. Auch wenn es eine Weile dauert, bis man alle Zusammenhänge erfasst, so ist man als ZuschauerIn doch vom ersten Moment an in diesem Film. Manchmal beinah atemlos.

In A Better World mag ein wohlklingender Titel sein, aber er trifft die Thematik des Filmes nur bedingt. Denn in diesem eindringlichen Schauspiel geht es vor allem um Verlust, Wut, Angst, Sprachlosigkeit, Gewalt, Resignation, Ausweglosigkeit und die Kraft der familiären Bande, die uns selbst in stürmischen Zeiten zu halten vermögen…

Hævnen hat jede Auszeichnung verdient und so verwundert es auch nicht, dass er sowohl den Golden Globe® als auch den Oscar® erhielt.

Originaltitel: Hævnen
Deutscher Titel: In einer besseren Welt
Englischer Titel: In a Better World

Drehorte: DänemarkSchweden 2010
Genre: Drama
Laufzeit: 119 Minuten

Kinostart: 31.03.2011
Verleih: Frenetic Films

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