Die Biologie der Trennungen – warum wir unsere Expartnerinnen hassen müssen!

Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Ständig ist er auf der Suche nach dem richtigen Partner. Der großen Liebe. Der vollkommenen Beziehung.

Er setzt alles daran, um seinem Ideal so nah wie nur irgend möglich zu kommen und ist dafür sogar bereit, Kompromisse einzugehen und bis zu einem gewissen Grad an sich und seiner Einstellung zu arbeiten.

So weit, so gut. Ein jeder von uns weiß, dass Beziehung nicht nur Arbeit bedeutet, sondern eben auch die Bereitschaft erfordert, auf unser Gegenüber zu- und einzugehen. So lange sich dabei niemand verliert oder sich aufzugeben droht, ist auch nichts dagegen einzuwenden und wenn diesen vermeintlichen Opfern vor allem Glück und Zufriedenheit folgen, können wir von dem gelungenen Versuch sprechen, den zwei Menschen unternommen haben, um einander zu begegnen und zusammen auf dem Weg des Lebens und der Liebe zu wandeln.

Was aber, wenn der Versuch scheitert? Uns der Mut verlässt? Die Gefühle einseitig bleiben oder nachlassen? Was, wenn wir spüren, dass die Frau an unserer Seite doch nicht jene ist, mit der wir unser Leben leben und unsere Zukunft planen wollen? Was, wenn wir erkennen, dass es für eine aufrichtige, ernsthafte, intensive und, für unsere eigene Definition, vollkommene Beziehung mehr braucht als das Kribbeln am Anfang? Was, wenn uns auf einmal klar wird, dass es eben nicht nur ein ansprechendes Äußeres, ein zauberhaftes Lächeln und guten Sex braucht, um eine Beziehung nicht nur am Leben zu erhalten, sondern sie darüber hinaus wachsen zu lassen und uns mit ihr zu entwickeln? Was, wenn irgendwann der Tag kommt, an dem es uns wie Schuppen von den Augen fällt, dass wir etwas ganz anderes wollen und dass das, was wir gerade haben und leben, nicht das ist, was uns wirklich glücklich macht?

Genau in diesem Moment geht es erst richtig los. Vergessen sind auf einmal all die Dinge, die uns verbunden haben. Von Liebe kann nicht mehr die Rede sein und jeder Versuch, sich vernünftig und vor allem friedlich zu trennen, schlägt fehl.

Es scheint einfach nicht möglich zu sein, ohne Streit auseinander zu gehen. Nicht einmal, wenn beide Seiten erkannt haben, dass das Weiterführen der Beziehung nur im Unglück aller Beteiligten enden kann.

Gütertrennung ist machbar. In Güte trennen nicht!
© Thomas Lutter, (*1962), Schreiber und Musiker

Wie recht er doch hat der gute Mann. Und ja, vielleicht ist der Mensch an sich auch naiv. Denn es ist ja kein Einzelphänomen, dass sich ehemalige PartnerInnen an den Hals springen und kein gutes Haar mehr aneinander lassen.

Es werden nahezu endlose Diskussionen geführt und Analysen aufgestellt. Jedes Wort wird doppelt gewogen und jedes Haar in der Suppe gesucht und gefunden.

Die großen Gefühle der Zuneigung schlagen um in jene des Vorwurfes, des Hasses und der Verachtung und das heiß geliebte Internet wird zum besten Komplizen. Denn hier kann man sich in seiner Emotionalität und Enttäuschung so richtig schön auslassen.

Das fängt ganz harmlos an: zunächst wird der Beziehungsstatus geändert, dann die gemeinsamen Bilder und Kommentare gelöscht. Vielleicht gehört dieser virtuelle Schlussstrich sogar zu einer modernen Beziehung dazu. Wer sich öffentlich liebkost, muss auch damit rechnen, dass sich öffentlich getrennt wird.

Den ersten offiziellen Änderungen folgen Statusmeldungen am laufenden Band, wie gut es einem doch geht, was man nicht alles Tolles erlebt und wie schön die Welt ist.

Auch daran kann ich nichts schlimmes finden. Aber dann kommt der nächste Schritt. Nämlich die Reaktion darauf, was die Gegenseite macht. Ist es nicht furchtbar von einer Gegenseite zu sprechen, sprechen zu müssen?

All diese internetlastigen Veränderungen sind in Ordnung. Jedoch nur solange sie von einer Seite praktiziert werden. Tut es die andere ebenfalls, geht der Krieg los. Es hagelt Beschimpfungen und Vorwürfe, vornehmlich via SMS, Facebook und Co.

Auf einmal sind die großen Gefühle vergessen und das Vorhaben, es gut miteinander zu haben, ebenfalls.

Ist es wirklich eine Utopie, daran zu glauben und fest zu halten, dass zwei Menschen, die einander viel bedeutet und sich vielleicht sogar geliebt haben, auch nach einer Trennung menschlich miteinander umgehen?

Muss man seine Expartnerin wirklich hassen, nur weil sie nicht mehr mit uns zusammen ist? Folgt auf Liebe tatsächlich unweigerlich Hass und Ablehnung?

Ist es uns wirklich unmöglich, einander nach einer angemessen Zeit des Schmerzes, der Trauer, wenn schon nicht liebevoll, so doch menschlich und vielleicht sogar freundschaftlich neu zu begegnen? Eine neue Ebene zu suchen und zu finden, die einen neuen Raum eröffnet.

Verzeihen sollte man schweigend. Tut man es mit Worten, wird das Verzeihen zum Vorwurf.
Albert Schweitzer, (1875 – 1965)

Lieben erfordert Mut. Verlassen ebenso. Vergeben erfordert Kraft und den Willen dazu.

Ich bleibe bei meiner Naivität und höre nicht auf, daran zu glauben, dass man im Herzen verbunden bleibt, auch wenn die Realität des Lebens uns trennt…

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