La tête en friche – Das Labyrinth der Wörter

Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain (Gérard Depardieu), um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte (Gisèle Casadesus), einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Eines Tages setzt sich Germain zufällig neben sie. Margueritte liest ihm Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen sich Germain immer ausgeschlossen fühlte. Für sein Umfeld, die Freunde im Bistro, die ihn bis jetzt für einen Einfaltspinsel hielten, wechselt die Dummheit mit einem Mal die Seite… Aber Margueritte verliert immer mehr ihr Augenlicht und aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame, übt Germain lesen und zeigt ihr, dass er in der Lage sein wird, ihr vorzulesen, wenn sie selbst es nicht mehr kann…

Wörter. Bücher. Geschichten.

All das ist ein so unendlich großer, unverzichtbarer Teil meines Lebens, dass ich mir nicht einmal vorzustellen vermag, was ich ohne sie wäre. Sie sind Teil von mir. Quelle meiner Inspiration, meines Glücks, meines Wissens – jeden Tag aufs Neue.

Es stand also nie zur Debatte, ob ich mir La tête en friche – Das Labyrinth der Wörter anschauen werde oder nicht. Es war von dem Moment an klar, in dem ich von diesem Film erfuhr…

Mit einer gewissen Vorfreude, aber vor allem mit einer großen Portion Erwartung in mir, ging ich zur Vorpremiere ins Kino und nahm jedes Wort in mich auf, lies es wirken und nachhallen.

Gerard Depardieu verkörpert die Rolle des stokelig wirkenden Germain, wie es kein anderer gekonnt hätte. Dieser übergewichtige, leidenschaftliche und herzensgute Mensch schlägt sich tagtäglich mit seiner verwirrten Mutter herum, die ihn von Kindesbeinen an hat spüren lassen, dass er ein Versehen war und ist. In ihren Augen ist er nichts wert und von seinem ersten Atemzug an, wird Germain von ihr gedemütigt. Dies hat Spuren hinterlassen und so hält auch Germain nichts von sich. Er kann nicht einmal verstehen, warum Annette, die junge, hübsche und aufrichtige Busfahrerin, ihn liebt und sogar eine Familie mit ihm gründen will.

Als er an einem seiner doch recht gleichförmigen Tage in den Park kommt, um die Tauben zu zählen, trifft er auf Magueritte. Sie teilen das Interesse an Tauben und zwischen den beiden entwickelt sich sogleich eine zarte Beziehung, die sich von nun an jeden Mittag fortsetzt, wenn die beiden sich, anfangs noch zufällig, dann sehr bewusst, im Park auf ihrer Stammbank treffen und zusammen lesen.

Margueritte nimmt Germain an die Hand und führt ihn durch die reiche Welt der Wörter und Geschichten. Er selbst ist beinahe Analphabet, verfügt aber über ein beeindruckendes auditives Gedächtnis und lebt die Geschichten bildlich mit.

Germain verändert dieser neue Horizont, was ihn bereichert, aber auch verwirrt. Das Wirrwarr der Wörter verunsichert ihn bisweilen und er ist versucht, zurück zu kehren zu dem Leben, das er bisher kannte.

Doch als Margueritte ihr Augenlicht zu verlieren droht, ändert sich alles. Nicht nur für die alte Dame…

DAS LABYRINTH DER WÖRTER ist eine Geschichte voller Humor und Lebensfreude, mit einem bemerkenswert guten Gérard Depardieu und einer Hauptdarstellerin an seiner Seite, Gisèle Casadesus, der das Alter nichts von ihrem Charme genommen hat.

Mit wunderbarem, feinem Sprachgefühl – der Originaltitel LA TÊTE EN FRICHE bedeutet so viel wie „Der brach liegende Kopf“ – ist Regisseur Jean Becker ein zu Herzen gehender, lustiger, durch und durch menschlicher Film gelungen. Zärtlich, voller Hoffnung erzählt DAS LABYRINTH DER WÖRTER davon, dass es nie zu spät ist, Neues zu lernen und glücklich zu sein.

La tête en friche ist ein wunderbar bezaubernder Film, der durch Worte getragen wird und Figuren, die sie uns nahe bringen.

Es geht zwar offensichtlich um Literatur, aber vor allem geht es um Menschen. Unsere Bilder von ihnen. Unsere Vorurteile.

Aber es geht auch um Liebe. Die Mutterliebe. Was sie bewirken kann, wenn sie von Anfang an stark ist. Was sie aus uns machen kann, wenn sie uns verwehrt wird.

La tête en friche ist eine Geschichte, die uns mit ihrer berührenden Leichtigkeit Mut macht. Sie inspiriert uns nicht nur, endlich einmal Camus zu lesen. Sie erinnert uns daran, dass uns in jedem Tag, jedem unscheinbaren Moment, das Glück begegnen kann.

Und sei es in der Begegnung mit einem Menschen, den wir nie zuvor gesehen haben, auf den wir aber scheinbar schon immer gewartet haben, damit er uns zu unserem wahren Potential führt…

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