„Buenos Aires, mi amor.“ – Der neue Roman von Bettina Isabel Rocha

Denken wir an Bettina Isabel Rocha, kommt uns sogleich ihr Debüt „Tango mit Inés“ in den Sinn. Jener Roman, der die Leidenschaft für diesen erotischen Tanz in uns weckte. Nun dürfen wir uns erneut Rochas Worten hingeben und uns in ihren Geschichten treiben lassen.

Rückblick: Elena, leidenschaftliche Tangolehrerin in Buenos Aires, begibt sich auf Gran Canaria auf die Spurensuche nach ihrer toten Tante Marí, einer Künstlerin, die sich das Leben nahm und deren Bilder unter falschem Namen verkauft wurden und deren Leben und Lieben bis heute im Dunkeln liegen. Inés, die sich eine Auszeit von ihrem Leben in Deutschland nimmt, ist fasziniert von Elena und unterstützt sie bei ihren Recherchen, wobei die beiden nicht nur auf eine komplexe Geschichte stoßen, sondern sich auch persönlich näher kommen.

Nach elf Monaten auf Gran Canaria kehrt Elena in ihr heiß geliebtes Buenos Aires zurück und auch zu Caridad, ihrer langjährigen Geliebten. Doch die arbeitet gerade an ihrer ersten Ausstellung und scheint auch sonst wie verwandelt. Von Wiedersehensfreude ist kaum etwas zu spüren… Auch für Inés ist es an der Zeit, nach Deutschland zurück zu kehren, wo sie nach ihrer Auszeit wieder als Übersetzerin arbeitet. Gleichförmig und wenig befriedigend plätschert ihr Leben dahin und ihre Gedanken können weder die Zeit auf Gran Canaria noch Elena los lassen.

Nachdem die von der spanischen Kuratorin Esperanza initiierte Ausstellung mit Marís Bildern auf den Kanarischen Inseln ein großer Erfolg war, möchte Esperanza Marí auch in ihrer Heimat Argentinien posthum Gerechtigkeit und Ruhm verschaffen. Inés soll sie bei diesem Vorhaben unterstützen und so reisen die beiden Frauen nach Buenos Aires, wo Inés zuerst Caridad, und nicht Elena begegnet.

Es beginnt eine emotionale Reise in die Vergangenheit – in die Marís und ihrer Geliebten Rosalia, als auch in die von Caridad, Inés und Elena. Können die Frauen das Rätsel um den tragischen Tod von Marí endlich lösen und Mateo finden, der ihre Bilder mit seiner Signatur versah? Wird die Suche nach weiteren Details aus dem Leben von Marí Elena und Inés einander wieder näher bringen oder wird Elena wieder vor ihren Gefühlen flüchten?

„Buenos Aires, mi amor“ steht seinem Vorgänger in nichts nach. Ein kraftvolles und fesselndes Buch, das die Leserin zwingt, es erst dann aus der Hand zu legen, wenn die letzte Zeile gelesen ist. Bettina Isabel Rocha zeichnet virtuos die urbane Schönheit einer Metropole, die mit ihrer Korruption und Armut zu kämpfen hat. Sie spürt die Feinheiten des Landes auf und erwärmt die Leserin von der ersten Seite an für das pulsierende Leben in Buenos Aires.

Auch wenn starke Frauen die Hauptrolle spielen, nimmt vor allem die Geschichte Argentiniens  ihren Platz ein. So bekommt die Leserin eine Ahnung von der Ungerechtigkeit, dem Schmerz, der Verzweiflung und der Resignation, von der viele ArgentinierInnen betroffen sind. Der Ursprung jener Emotionen liegt in der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes und das obwohl Argentinien eigentlich ein reiches Land ist. Die Leserin trifft auf Flüchtlinge ohne jede Hoffnung auf ein annehmbares Dasein und Projekte, die engagierte Menschen im Ehrenamt auf die Beine stellen, um den Ärmsten der Armen und Hoffnungslosen eine Perspektive zu bieten. Caridad ist eine davon.

Caridad, die in „Tango mit Inés“ nur am Rande skizziert wurde, bekommt in „Buenos Aires, mi amor“ mehr Raum. Ihre Geschichte rückt in den Mittelpunkt. So wird den Leserinnen schnell klar, dass Caridad ihre Kunst unter anderem als Ventil nutzt, um ihrem Schmerz eine Form zu geben und sich selbst zu befreien.

Der Schock über das Ende einer jahrelangen Beziehung zwingt sowohl Elena als auch Caridad dazu, sich selbst zu stellen. Flucht ausgeschlossen. Daraus eröffnen sich neue Wege, die jedoch auch nicht ohne Schmerz, Verletzungen und Befürchtungen beschritten werden können. Eine neue Liebe wiederum erfordert immer auch den Mut, sich dem Gegenüber zu offenbaren und ein Leben jenseits der bisherigen Vorstellungen zu beginnen. Im Fall von Elena und Inés sind das kulturelle Unterschiede, der Missmut über das privilegierte Leben der anderen, gemischt mit der Wut über Chancen, die einem selbst entgangen sind oder nie geboten wurden. Gepaart mit der Scham, alle Möglichkeiten gehabt zu haben, aber es nie vermocht zu haben, die innere Leere zu füllen. Das Leben, die Zeit und Möglichkeiten verschwendet zu haben und nicht zuletzt das Gefühl, seinen Platz bisher nicht gefunden zu haben.

Wie in ihrem Debüt, spielt der Tango auch in Rochas zweitem Roman eine zentrale Rolle. Der Tanz als Kommunikationsform zweier Liebender. Vertrauen. Hingabe. Führen. Folgen. Liebe. Leidenschaft. Tango als allumfassender Ausdruck all dessen, was man in sich trägt und mitzuteilen wünscht.

Inés und Elena suchen nach Antworten aus der Vergangenheit, sehen sich ihrer eigenen Gegenwart gegenüber, finden einen Weg, der ihre Zukunft sein könnte und am Ende offenbart ein letzter Brief Antworten, auf die sie nicht mehr zu hoffen gewagt hätten…

Bettina Isabel Rocha by Krug & Schadenberg

Bettina Isabel Rocha, Jahrgang 1970, ist Agraringenieurin und Autorin deutsch-spanischer Herkunft mit einer Leidenschaft für Tango, Musik und das Meer. Als erfahrene Reiseberichtverfasserin lässt sie ihre vielseitigen Interessen geschickt in ihre schreiberische Arbeit einfließen. (Quelle: Verlagsinformationen)

Bettina Isabel Rocha

Buenos Aires, mi amor

Krug & Schadenberg, erschienen Mai 2011

Broschiert, 280 Seiten

ISBN – 13: 978-3930041770

16,90 Euro


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