Claudia Breitsprecher verschafft uns eine „Auszeit“

…und begeistert mit ihrem neuesten Roman, der alles in sich vereint, was ein gutes Bcuh ausmacht…

Dr. Martina Wenicke hat es geschafft: als engagierte Politikerin mit einer Vision und einem Gewissen, ist sie inzwischen als Abgeordnete im Bundestag angekommen und setzt sich für ihre Überzeugungen ein. Dass dieser Beruf mehr als nur ein Job ist und ihr viel, vielleicht sogar zuviel, abverlangt, wird Martina erst bewusst, als ein Attentat sie aus ihrem gewohnten Leben reisst.

Nur knapp überlebt sie den Anschlag. Körperlich ist sie genesen, doch seit dem Tag X ist nichts mehr, wie es einmal war. Martina hat Angst. Lebt in Furcht und ihre Füße wollen sie einfach nicht zurücktragen in das, was einmal ihr Leben war. Und so flüchtet sie. Raus aus der pulsierenden Großstadt, weg vom politischen Getummel und Gerangel. Sie flieht in das Landhaus ihrer Mitstreiterin und verkriecht sich. In der Provinz, im Haus, in sich.

Kaum ein Schritt ist möglich, ohne an das Attentat zu denken. Keine Begegnung lässt Martina ohne ein mulmiges Gefühl zurück.

Nur langsam öffnet sie sich wieder. Sich selbst, ihren Gedanken und Erinnerungen. Nicht alles, was sie zurückgelassen hat, war schön und so muss Martina schmerzlich erkennen, dass ihr die Politik zwar vieles gegeben, aber auch einiges genommen hat. Unter anderem ihre große Liebe Eleni.

Martina begegnet mit ihren Nachbarn auf Zeit, Laura und Stefan, Menschen, deren Weg sie sonst wohl nie gekreuzt hätte, trifft auf alte und neue Vorurteile und sieht sich gezwungen, ihre Prioritäten neu zu ordnen.

Der Druck durch die Partei wächst. Martina wird gebraucht, doch diese braucht sich gerade selbst.

Erst als das junge Paar von nebenan Opfer eines Überfalls wird, kämpft sich Martina endgültig aus ihrer Starre und trifft eine Entscheidung – entgegen aller Vorurteile und vor allem für sich.

Claudia Breitsprecher gönnt nicht nur ihrer Protagonistin eine „Auszeit“, sondern auch uns – den Leserinnen.

Wie kaum eine andere versteht es die Autorin, ihren Geschichten eine menschliche Tiefe inmitten gesellschaftlicher und politischer Verwicklungen zu geben.

Claudia Breitsprecher braucht nicht viele Worte, um die Leserin in ihren Bann zu ziehen. Ein paar Zeilen und frau ist mittendrin im Geschehen.

„Auszeit“ ist ein packender Roman, der ein großes Spektrum unseres Lebens widerzuspiegeln vermag. Politik auf der einen, das Leben und die Liebe auf der anderen Seite. Dazwischen der ganz normale Wahnsinn.

Exemplarisch steht hier eine erfolgreiche Bundestagsabgeordnete im Mittelpunkt, die durch die schmerzhafte Realität eines Attentates aus ihrem Arbeitswahn gerissen wird, der ihr kaum noch Zeit ließ, ihr Privatleben zu leben oder auch nur wahrzunehmen.

Nun folgt die Angst um das eigene Leben und die lähmende Erkenntnis, dass die Arbeit soviel Raum eingenommen hat, dass alles andere auf der Strecke blieb. Selbst die Liebe. Eben jenes Detail unseres Daseins, das uns nur allzu oft die nötige Kraft zu geben vermag, die wir brauchen, um den Anforderungen, die unser Beruf, die Menschen um uns herum und wir selbst, an uns stellen, gerecht werden zu können.

Claudia Breitsprecher fordert uns mit ihrer Gechichte dazu auf, in uns hinein zu spüren und Antworten zu finden auf Fragen, die das Leben an uns stellt:

  • Was ist mir wirklich wichtig im Leben?
  • Wie ernst nehme ich die Probleme anderer und an welcher Stelle komme ich?
  • Wo hört, in diesem Fall,  die Verantwortung einer/ eines PolitikerIn auf?
  • Wann muss ich beginnen, meine Vorurteile und vorgefassten Meinungen zu      überprüfen und gegebenenfalls anzupassen?
  • Wie viel Raum geben wir unserer Arbeit und wann begreifen wir, dass die Liebe und das Leben ihre Berechtigung haben und wir beginnen müssen, ein richtiges Maß zu finden? Gibt es einen Weg der Mitte?
  • Kann ein Attentat, neben all dem Schmerz und den Verletzungen, auch heilsam sein?
  • Wie viel kann ein Mensch, eine Liebe verzeihen?

„Auszeit“ ist eine gut recherchierte und vor allem realistische und lehrreiche Begegnung unterschiedlicher Welten. Die politischen Einsichten sind detailiert und veranlassen in diesem Fall einmal nicht dazu, die Augen zu verdrehen. Die ProtagonistInnen sind Persönlichkeiten mit Makeln, die nicht beschönigt werden und am Ende ist die geneigte Leserin dazu eingeladen, sich selbst eine Auszeit zu gönnen und mit einem ruhigen Blick zu erkunden, ob sie in ihrem Leben die richtigen Prioritäten gesetzt hat…

Claudia Breitsprecher ist 1964 in Westfalen geboren und in Berlin aufgewachsen, wo sie auch heute mit ihrer Frau lebt. Sie studierte Soziologie, Psychologie und Politik an der Freien Universität Berlin und arbeitete nach ihrem Abschluss als Diplom-Soziologin im Bildungs- und Sozialbereich. Nach ersten Kurzprosa-Veröffentlichungen in Anthologien Ende der 90er Jahre schreibt sie heute sowohl literarische als auch Sachtexte. 2002 erfolgte ihr Sachbuchdebüt mit einem Band über Mutter-Tochter-Beziehungen: Das hab ich von dir, gefolgt von Bringen Sie doch Ihre Freundin mit! Gespräche mit lesbischen Lehrerinnen. 2005 erschien ihr Debütroman, Vor dem Morgen liegt die Nacht, dem im Sommer 2012 mit Auszeit der zweite Roman folgte. Zu Claudia Breitsprechers weiteren Veröffentlichungen gehören Ende der Schonfrist eine Erzählung in der Anthologie Fein & gemein. Rachegeschichten., und die Erzählung Little Boy, mit der sie 2007 den 3. Preis des 6. Autorinnenforums Berlin-Rheinsberg gewann (Quelle: Verlagsinfo)

 

 

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