Books go queer…

Der Sommer ist zwar so gut wie vorbei, aber für ein gutes Buch ist es nie zu spät. Auch wenn wir die heiß geliebten Seiten jetzt vielleicht nicht mehr am Strand mit Meerblick durchblättern können, werden uns die folgenden Bücher viel Freude bereiten:

„Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick“ – Andreas Betram; Querverlag

Als lesbische Frau schwule Literatur zu lesen und zu bewerten, ist ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Sehe ich wirklich, was ihr Männer seht und ist das, was ich mag, auch das, was euch gefällt? Sei’s drum, denn Andreas Bertram trifft auf jeder Seite den richtigen Ton und es ist vollkommen egal, ob der/die Leser/in schwul, lesbisch, hetero oder was auch immer ist.

Andy, seines Zeichen Hauptprotagonist, sucht den Mann seiner Träume. Aber wie sollte es anders sein – ganz so einfach ist das nicht. Andy ist eben in jeglicher Hinsicht Durchschnitt. Von seinem Bäuchlein einmal abgesehen. Das ist in der jüngsten Vergangenheit aufgrund liebevoller Zuwendungen von diversen Schokoladentafeln nämlich recht beachtlich angewachsen und auch sonst sind Andy die Bücher in seinem eigenen Laden um einiges wichtiger als sein Äußeres.

Sein bester Freund Nils ist scheinbar das genaue Gegenteil von ihm und versucht diesen immer wieder zu sexuellen Abenteuern zu überreden, die Andy jedoch dankend ablehnt. Da aber auch er Bedürfnisse hat, stürzt Andy sich Hals über Kopf in eine Affäre mit dem schnuckeligen Seifenopern-Star Manuel, der ihm bereits Jahre zuvor das Herz gebrochen hat.

So weit, so gut? Alles schon da gewesen? In Ansätzen vielleicht, aber der Autor geht weiter. Viel weiter. Vom perfekten Dinner über dramatische Eifersuchtsszenen, wild gewordene Rottweiler, irrtümliche Verhaftungen, Terrorverdächtige, eine transsexuelle Wahrsagerin, einen nervigen Nachbarzwerg bis hin zu einem Polizisten, der eigentlich der Richtige sein könnte, ist alles dabei.

Andreas Bertram packt den Leser auf den ersten Seiten und gibt ihn erst am Ende des Buches wieder frei. „Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick“ ist ein Roman über Menschen wie Du und ich, über Klischees und deren Widerlegung. Er ist schnell, verwirrend, manchmal ganz klar und immer wieder überraschend. Ich habe selten einen Roman so gern gelesen und ich bin froh, dass es mir egal war, ob diese Literatur nun schwul oder lesbisch sein soll. „Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick“ ist großartig. PUNKT!

„Der Duft von Seide“ – Stefanie Zesewitz; Querverlag

Eine Frauenliebe im viktorianischen England, die ein wenig an „Quell der Einsamkeit“ erinnern mag…

Camiel le Blanc ist alles andere als die typische Frau ihrer Zeit. In den Kolonien aufgewachsen, lebte die junge Malerin stets selbstständig und unbehelligt. In den Schoß ihrer Familie zurück gekehrt, weiß sie kaum, was von ihr erwartet wird.

Julia Norton hingegen ist das klassische Heimchen, das versucht, den Wunsch des Ehegatten nach Nachwuchs zu erfüllen, was ihr leider mitnichten gelingen will.

Die beiden Frauen lernen sich kennen und durch Camiels Geschick, fahren sie gemeinsam zur Kur nach Bath, wo sie beginnen, ihrer leidenschaftlichen Beziehung Ausdruck zu verleihen.

Doch wie werden sie sich entscheiden, wenn sie wieder zuhause sind? Gefangen in ihren Konventionen, unter dem Druck der Erwartungen der Gesellschaft?

Wer es gern historisch mag, wird von „Der Duft von Seide“ nicht enttäuscht werden. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass ein jeder Roman mit historischem Background zum „Quell der Einsamkeit“ wird. Stefanie Zesewitz hat ihre Hausaufgaben gemacht und lässt ihre Geschichte umso authentischer und lebhafter erscheinen, indem sie historische Figuren, wie etwa die Bronte Schwestern, in ihre Erzählung einwebt.

„Fußballtöchter“ – Elke Weigel; Querverlag

Was tut frau, wenn sie nichts mehr will als Fußball zu spielen und genau das für sie verboten ist? 1970 herrscht in Deutschland ein offizielles Verbot für Damenfußball auf den Vereinsplätzen und auch das private Umfeld ist wenig begeistert von den Sportambitionen der jungen Damen jener Zeit.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie schwer es seinerzeit gewesen sein muss im Ländle. Von Offenheit konnte sicher noch nicht die Rede sein und Fußball war schließlich nur ein Punkt. Es galt sich als Frau durchzusetzen, sich Gehör zu verschaffen und genau darüber hat Elke Weigel einen tollen Roman geschrieben. Ein Buch über starke Frauen, die sich ihren Weg suchen. Auf dem Fußballplatz und daneben.

„Das Mädchen Manuela“ – Christa Winsloe; Verlag Krug & Schadenberg

Der Film »Mädchen in Uniform« ist weltberühmt – hierzulande vor allem die Fassung von 1958 mit Romy Schneider, Lilli Palmer und Therese Giehse. Mit Das Mädchen Manuela liegt nun der entsprechende Roman wieder vor, über den Christa Winsloe schrieb: »Was ich zu schildern versuchte, sind die erotischen Verwirrungen der Pubertätszeit, die kindlich reine Leidenschaft eines starken Gefühls, das im Zusammenprall mit einer feindlichen Umgebung zu Vernichtung und Untergang führt.«

In ihrem Roman erzählt Christa Winsloe die Geschichte der jungen Manuela von Meinhardis, die sich in einem gestrengen Mädchenpensionat in Fräulein von Bernburg, eine ihrer Lehrerinnen, verliebt. Doch anders als der Film setzt der Roman bereits weit vor der Pensionatszeit Manuelas ein und nimmt auch ein anderes Ende …

Das Mädchen Manuela besticht durch seine präzise, bil­der­reiche Sprache und seine einfühlsame Schilderung der Gefühlswelt eines empfindsamen Mädchens – ein Klassiker, der zur Neuentdeckung einlädt. (Quelle: Verlagsinformation)

An dieser Stelle gibt es kaum etwas hinzuzufügen. Außer vielleicht einen Dank an die Verlegerinnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, dieses wunderbare und für die lesbische Literatur so wichtige Buch, neu zu verlegen. Dieser Roman und die Biografie Winsloes „Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ von Doris Hermanns, die beim AvivA Verlag erschienen ist, sollten in keinem Bücherregal fehlen.

„Chiara, Simona und die anderen“ – Sarah Sajetti; Verlag Krug & Schadenberg

Es gibt ja so Momente, in denen fragt man sich, warum man sein eigenes Leben nicht zu Papier bringt oder am besten gleich verfilmt. Einen solchen Moment hatte Chiara und so arbeitet sie mit ihrer besten Freundin Simona an der Umsetzung dieses No-Budget-Projektes.

Dumm nur, wenn gleich am ersten Drehtag die Hauptdarstellerin fehlt, weil sie ermordet wurde. Noch dümmer, wenn Du fortan eine ziemliche heiße Hauptkommissarin an Dir kleben hast, die Du ins lesbische Leben Mailands einführen musst…

Bereits die ersten Zeilen dieses quirligen Romanes lassen erahnen, was er zu bieten hat. Aber das sollte dann auch reichen. Denn zuviel verraten wird hier nicht. Sarah Sajetti hat verdammt gute Arbeit geleistet und bereits das Cover wirkt mehr als einladend. Also, worauf wartet ihr noch? Ab nach Italien…

„Smalltown Blues“ – Birgit Utz; Verlag Krug & Schadenberg

Weiß irgendjemand, wo Gummadingen ist? Vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Aber Melanie muss raus aus diesem Kaff. Ihr bibeltreuer, im Chor singender Vater hat gerade überraschend die Mutter verlassen, um zu seiner jüngeren Chorgeliebten zu ziehen. Die Mutter trinkt mehr als dass sie irgendetwas anderes tut und ihre Schwester Bettina geht voll und ganz in ihrer Lehre zur Friseurin auf.

Melanie jedoch hat nichts. Ihre Freundinnen haben nur noch Jungs im Kopf und Melanie kann ihnen nicht mehr folgen. Warme Gefühle im Bauch bekommt sie nur, wenn sie die Tochter von Bettinas Chef sieht.

Birgit Utz schreibt so herrlich normal und packend, dass es eine wahre Freude ist, sich durch ihren Roman zu lesen. „Smalltown Blues“ ist ein wundervoller Roman und ich will mehr davon. Wie schnell man sich verbunden fühlt mit Mel und ihren Gefühlen. Von den erdrückenden Kleinstadteindrücken einmal ganz abgesehen. Ein wundervolles Buch, das leider viel zu schnell ausgelesen ist…

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Ein Gedanke zu „Books go queer…

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