„Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ – Das Leben der Christa Winsloe

Christa Winsloe – wenn ich ehrlich sein soll, sagte mir dieser Name bis vor kurzem so absolut gar nichts. Auch wenn ich „Mädchen in Uniform“, unter diesem Titel wurde der Roman „Das Mädchen Manuela“ ab 1951 in Deutschland veröffentlicht, und die Verfilmung mit Romy Schneider verschlungen habe.

Aber Christa Winsloe ist nicht einfach nur Autorin dieses wunderbaren Buches. So viel durfte ich bereits nach wenigen Stunden erfahren, nachdem ich mich auf die Suche nach der Frau hinter dem Buch machte.

Die größte Arbeit hierbei haben mir Doris Hermanns, Britta Jürgs, Andrea Krug und Dagmar Schadenberg abgenommen. Die Erste hat eine wunderbare, vielschichtige Biografie über Winsloe verfasst, die Zweite hat sie im AvivA Verlag herausgegeben und die letzten beiden haben den Roman „Das Mädchen Manuela“, nun wieder unter dem ursprünglich und auch deutlich passenderem Titel, neu verlegt. Mit Hilfe dieser vier begab ich mich also auf Spurensuche und entdeckte eine Frau, die vollkommen unverständlicherweise in Vergessenheit geraten und dem öffentlichen Bewusstsein heute leider gar kein Begriff mehr ist.

Christa Winsloe ist ein Phänomen, bei dem es sich lohnt, es von Anfang an zu beleuchten. Woher kommt sie, diese Frau, an die man sich höchstens dann erinnert, wenn man die uniformierten Mädchen ins Spiel bringt.

1888 in Darmstadt geboren, verbrachte sie als Tochter eines schottischen Rittmeisters und der deutschen Tochter eines Rittergutbesitzers die Jahre bis ins frühe Jugendalter im Schoße der Familie, bevor sie nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem überforderten Vater ins Kaiserin–Augusta-Stift nach Potsdam geschickt wurde, wo sie für ihr Leben geprägt werden sollte.

Winsloe war Zeit ihres Lebens kreativ und künstlerisch aktiv. Nach ihrem Abschluss in Potsdam, war sie offensichtlich noch in der Schweiz auf einem Internat, wo ihr Interesse für die Bildhauerei geweckt wurde. Zur damaligen Zeit jedoch, blieb den meisten Frauen diese Kunstform weitestgehend verschlossen. Es wurde ihnen schlichtweg nicht zugetraut, dass sie die harte und schwere Arbeit eines Bildhauers stemmen konnten und so wurde ihnen gerade einmal zugestanden, kleine, niedliche Tierplastiken herzustellen.

Christa Winsloe ließ sich davon nicht abschrecken und arbeitete bereits 1908 kurzzeitig für den Bildhauer Heinrich Jobst, der von ihr auch eine Schulterbüste anfertigte. 1909 zog Winsloe dann nach München, um die Bildhauerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule professionell zu erlernen.

Winsloe lebte in der Bildhauerei stets ihre ausgeprägte Liebe zu Tieren aus. Sie modellierte unter anderem ein sehr authentisches Marmorschwein, das leider bis heute verschollen ist. Ein großartiges Bild von Winsloe und dem Schwein findet sich jedoch glücklicherweise in der Biografie. Erhalten sind zudem etliche Makis, Galagos und Meerschweinchen.

Winsloe erschuf aber nicht nur Plastiken von heimischen Tieren, sondern verbrachte auch zahlreiche Stunden in Zoos, um sich dort den Wildtieren zu widmen.

Christa Winsloe war also in vielerlei Hinsicht eine eindrucksvolle Frau und eine Vorreiterin. Sie folgte ihren Leidenschaften und drückte sich im geschriebenen Wort und ihren Plastiken aus.

Leider sind nur wenige Werke von Winsloe veröffentlicht worden. „Mädchen in Uniform“ ist bis heute das wohl bekannteste und stark geprägt von Winsloes Zeit im Internat.

Doch auch wenn „Mädchen in Uniform“, das zunächst als Theaterstück „Ritter Nérestan“ 1930 in Leipzig uraufgeführt wurde, auf Erinnerungen Winsloes aus ihrer Jugendzeit basiert, handelt es sich dabei nicht um ihre eigene Liebesgeschichte (vgl. Hermanns, S. 111 ff.).

Dennoch sind es gerade die noch erhaltenen (veröffentlichten) Bücher und unveröffentlichten Manuskripte Winsloes, die es uns erlauben, eine Ahnung von ihrem Leben und Wirken zu bekommen.

„Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ verschafft uns Einblicke in ein spannendes, ereignisreiches Leben, das jedoch auch viele Entbehrungen mit sich brachte. Hermanns bringt uns Christa Winsloe als Bildhauerin, Schriftstellerin, Ehefrau und Geliebte nah. Wir erfahren, wer Christa Winsloe wirklich war.

Bis dato gab es keine Biografie von Christa Winsloe und die Daten und Informationen, die hier und da zu finden waren, entsprachen oftmals nicht der Wahrheit.

Es ist kaum vorstellbar, wie viel Zeit, Energie und Arbeit Doris Hermanns investiert haben muss, um „Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ zu erschaffen. Diese Biografie entspricht jedoch nicht annähernd dem, was man erwartet. Denn diese Biografie ist weder trocken, noch hat sie ermüdende Längen oder ist langweilig. Dieses Buch liest sich locker und leicht. Das Interesse an Winsloe wird direkt auf den ersten Seiten geweckt und fesselt bis zum Schluss.

Neben der Lebensgeschichte Winsloes bekommt die interessierte Leserin auch und vor allem Einblicke in das politische (Er)Leben. Man erfährt anhand persönlicher Geschichten, wie es gewesen sein muss, zu Zeiten des ersten und des zweiten Weltkriegs zu leben.

Winsloe erhielt durch die Heirat mit dem ungarischen Baron Lajos Hatvany ebenfalls die ungarische Staatsbürgerschaft, die ihr zu Zeiten des Dritten Reiches half, flüchtigen und bedrohten Menschen zu helfen. Sie übermittelte Nachrichten und sorgte für Unterkunft. Auch wenn sich Christa Winsloe praktisch nie (mit einer Ausnahme) schriftlich politisch äußerte, war jedem, der sie kannte und mit ihr lebte, klar, dass sie gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten war und niemals mit ihnen kollaboriert hätte.

Eine unbedachte Aussage Klaus Manns jedoch, sorgte dafür, dass das Gegenteil kommuniziert wurde (vgl. Hermanns, S. 261 ff.).

Dorothy Thompson, ihres Zeichen die erste amerikanische Korrespondentin in Deutschland, die stets vehement auf die Gefahr, die von Hitler und seinen Nazis ausging, hinwies und jahrelang die Freundin und Geliebte von Winsloe war, tat jedoch alles dafür, den geschädigten Ruf ihrer Freundin nach deren Ermordung 1944 durch den französischen Widerstand, wiederherzustellen.

Es brauchte wohl trotzdem „Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“, um ein vollständiges und wahrhaftiges Bild von Christa Winsloe zu bekommen.

Doris Hermanns hat es mit ihrer Biografie also nicht nur geschafft, Christa Winsloe zurück in das Bewusstsein der interessierten Gesellschaft zu holen, sondern darüber hinaus dafür gesorgt, dass jeglicher Zweifel an Winsloes Gesinnung ausgeräumt wurde.

 

© Eva Hehemann

© Eva Hehemann

Es wäre vermessen, in diesem Artikel all das erwähnen zu wollen, was Christa Winsloes Leben ausgemacht und bestimmt hat. Dieser Text soll neugierig machen – auf eine Frau, die weitaus mehr geschaffen hat als die „Mädchen in Uniform“.

„Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ sollte in keinem Bücherregal fehlen und die Neuauflage von „Das Mädchen Manuela“, die nun im Verlag Krug & Schadenberg erscheint, sowieso nicht. Wie wundervoll, dass damit auch die Arbeit von Susanne Amrain, die leider 2008 verstarb, geehrt wird. Amrain brachte „Mädchen in Uniform“ seinerzeit im Daphne Verlag heraus und ich bin froh und dankbar, dass sich Andrea Krug und Dagmar Schadenberg die Neuauflage auf die Fahnen geschrieben haben. Viel zu lange war das Buch vergriffen.

Dank dem großartigen Einsatz von vier Frauen, haben wir nun die Möglichkeit, zu erfahren, was für große Frauen unser Land hervorgebracht hat.

Christa Winsloe sollte nie wieder aus unserem Gedächtnis verschwinden…

Mein persönlicher Dank gilt an dieser Stelle vor allem Doris Hermanns, die eine so eindrückliche und ausdrucksstarke Biografie geschrieben hat. Nur durch ihre Arbeit war es mir möglich, in diesem Maße etwas über Christa Winsloe zu erfahren und zu schreiben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s