Wenn Einhörner nicht schwimmen…

Ich gebe es ja zu. Als ich das erste Mal von „Unicorns don’t swim“ hörte, war ich mir nicht ganz so sicher, ob ich das Buch lesen will. Nicht weil mich der Titel nicht gereizt hätte, ABER…es ging nicht um einen Roman sondern um Erzählungen und mit denen habe ich es normalerweise nicht so. Eigentlich nie. Doch in diese Fall gab es für mich zwei schlagende Argumente und die müssen an dieser Stelle einfach namentlich genannt werden. So viel „Ehre“ muss sein… Tania Witte und Antje Wagner. Erstere gehört, seit ich das erste geschriebene Wort von ihr vor Augen hatte, zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen überhaupt und die zweite Dame hat dieses Wunderwerk herausgegeben und natürlich auch das ein oder andere beigesteuert und mir vor allem das Buch zukommen lassen. Es konnte also gar nicht schief gehen…

Auf dem Buchrücken bekommt frau dann auch gleich schon mal einen kleinen Vorgeschmack und die „Warnung“, dass sie ihre ureigenen Klischees über Bord werfen und sich auf einige Überraschungen gefasst machen könne, denn dieses kleine Buch hat es in sich. Worum es geht? Um Mädchen. Um Frauen. Um etwas dazwischen und darüber hinaus. Weit darüber hinaus.

Gender. Sexualität. Orientierung. Liebe. Pubertät. Beziehung. Eltern. Die Fragen nach dem Leben und dem Sein. Die ganzen Facetten des (weiblich) menschlichen Daseins werden in den Erzählungen thematisiert und ihr könnt mir glauben – hier wird nichts ausgelassen. Ich weiss nicht, ob es meiner Verortung in einer bestimmten Gesellschaft liegt oder daran, dass ich schon so unendlich viel lesen durfte oder an meiner blühenden Phantasie. Who knows? Oft konnte ich mir zu Beginn der Geschichte bereits denken, wohin der Hase laufen würde und war weniger oft überrascht als zunächst angenommen. Das aber war nicht enttäuschend oder gar langweilig. Es war wunderschön, das in Worte gefasst zu sehen, was frau da spürte.

Wenn ich jedoch überrascht wurde, dann richtig. Da wurde mein verdammt hartnäckiger, denkender, rationaler Kopf ordentlich herumgeschüttelt und gezwungen sich auf Dinge einzulassen, die er sonst nicht einmal im Traum streifen würde. Wer schläft auch schon mit einem Drachen oder reibt die Krokodilshaut auf dem Rücken des Geliebten ein…?

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Ihr ahnt es sicher schon. Dieses Buch ist es wert gelesen zu werden. Von vorne nach hinten und wieder zurück. Durcheinander. Immer wieder. Mittendrin. Lest es einander vor und gönnt euch immer wieder einen Ausflug in die Welt der Einhörner, die so viel näher liegt als wir es uns im Alltagstrott und unseren festgefahrenen Schemata eingestehen wollen.

Dieses Buch mit seinen Erzählungen ist für jeden geeignet. Unabhängig von Geschlecht, Identität, Sexualität oder was auch immer mann und frau noch berücksichtigen möchte. Also auf zum Buchladen eures Vertrauens (die wollen nämlich auch leben) oder direkt zum AVIVA Verlag und die Einhörner ins Haus holen. Es lohnt sich. Versprochen!!!

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Copyright: Hannes Windrath

Antje Wagner, 1974 in Lutherstadt Wittenberg geboren, studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften und lebt heute in Hildesheim und Potsdam. Sie schreibt Romane für Erwachsene und Jugendliche.  »Unland« (2009) wurde 2010 u.a. mit dem ver.di Literaturpreis, »Vakuum« (2012) 2013 mit dem Leipziger Lesekompass der Leipziger Buchmesse und der Stiftung Lesen ausgezeichnet. (Quelle: Verlagsinformation)

 

 

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